"Die Freimaurerei gehört zur DNA der Stadt Karlsruhe."

Aus dem Grußwort der Stadt beim Festakt „300 Jahre Freimaurerei“ am 24. Juli 2017

Unsere Loge

Am 13. Mai 1785, mithin rund siebzig Jahre nach der badisch-markgräflichen Gründung der neuen Residenzstadt Karlsruhe, wurde in der hiesigen Loge „das Licht eingebracht“. Sie stand von Beginn an unter dem Protektorat Markgraf Karl Friedrichs, des späteren Großherzogs von Baden, und führte zunächst den Namen „Carl zur Einigkeit“. Im Jahr 1847 erfolgte, in Anlehnung an den damaligen Großherzog Leopold von Baden, die Umbenennung in „Leopold zur Treue“.

Die Loge entwickelte sich früh zur Keimzelle – als sogenannte Mutterloge – weiterer Logengründungen in Karlsruhe und im gesamten badischen Raum. Ihre Tätigkeit wurde lediglich durch Phasen politischer oder dogmatischer Unfreiheit unterbrochen. Bis in die Gegenwart versteht sie sich als aktive Werk- und Übungsstätte zur Pflege von Toleranz, Brüderlichkeit sowie des freiheitlichen Denkens und Forschens. Zugleich ist sie seit jeher ein lebendiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt Karlsruhe und wirkt über diese hinaus.

Mitglieder – gestern und heute

Zahlreiche ihrer Mitglieder prägten als bekannte Persönlichkeiten und bekennende Freimaurer über Generationen hinweg das politische wie kulturelle öffentliche Leben der Stadt, der Region und des Landes maßgeblich mit. Über Jahrhunderte hinweg lesen sich die Mitgliederverzeichnisse der Loge wie ein „Who is Who“ Karlsruhes und des badischen Raums.
Da es in der Freimaurerei jedoch nicht um persönliche Berühmtheit, sondern um die Pflege nachhaltiger Werte geht, seien hier stellvertretend nur einige Namen genannt. Sie stehen mit ihrer Reputation für Gesinnungstreue und redliche Geisteshaltung: Wilhelm Christian Griesbach, erster Oberbürgermeister der jungen Stadt Karlsruhe; der Baumeister Friedrich Arnold, dem ein Großteil der Weinbrennerbauten zu verdanken ist; sowie Karl Friedrich Nebenius, bedeutender liberaler badischer Staatsmann, Verfasser der ersten badischen und zugleich ersten deutschen demokratischen Verfassung von 1818, Reformer des Bildungswesens und Förderer der Gründung der Technischen Hochschule wie auch weiterer wegweisender Initiativen.
Mit dem Wandel der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der Entwicklung der badischen Residenz- und späteren Landeshauptstadt zur „Residenz des Rechts“ und zu einem international ausgerichteten, innovativen Zentrum von Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft und Kultur veränderten sich auch Berufe und Funktionen der Logenmitglieder. Heute entstammen sie allen Ebenen der bürgerlichen Gesellschaft; nahezu sämtliche Berufszweige sind vertreten.

Karl Friedrich Nebenius (1784 - 1857) © Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1962

Aktivitäten

Mit Tagen der offenen Tür, Vorträgen und weiteren Veranstaltungen sowie durch karitatives Engagement beteiligt sich die Loge aktiv am öffentlichen Geschehen. Sie fördert und unterstützt kulturelle, soziale und gemeinnützige Einrichtungen in Stadt und Region. In diesem Sinne wurde sie anlässlich des Festakts der Karlsruher Logen zum 300-jährigen Jubiläum der Freimaurerei im Jahr 2017 von einem Vertreter des Oberbürgermeisters als „Teil der DNA der Stadt“ bezeichnet – in Anwesenheit von Repräsentanten aus nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.
Auch wenn bei solchen Gelegenheiten wiederholt und mit Anerkennung über ideelle wie materielle Fördermaßnahmen berichtet wird, dienen diese keineswegs einem nach außen gerichteten oder spektakulären Selbstzweck. Vielmehr sind sie Ausdruck freimaurerischer Gesinnung und Teil des übergeordneten Auftrags zur Humanität. Neben den bewusst diskret gehaltenen Aktivitäten der Loge verdienen nicht zuletzt auch die persönlichen Engagements einzelner Brüder in ihren jeweiligen Wirkungsfeldern Erwähnung – als Ergebnis reflektierten humanitären Denkens und Handelns.

Wie alle Logen ist auch die hiesige, deren Einzugsgebiet weit über die Stadtgrenzen hinausreicht, in besonderer Weise durch die Individualität ihrer Mitglieder geprägt. Gegenwärtig setzt sie sich aus rund fünfzig Männern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Charaktere zusammen. In ihr kommt das Verbindende der Freimaurerei in besonderer Weise zum Ausdruck: Menschen, die sich unter anderen Umständen kaum begegnet wären, gewinnen im Rahmen von Gesprächen und regelmäßigen Zusammenkünften neue Perspektiven, Erfahrungen und geistige Anregungen. Der Austausch gilt dabei grundlegenden Fragen des Lebens, die das Denken und Handeln in der Gegenwart bestimmen.Diskretion, Vertrauen und gegenseitiger Respekt bilden die Grundlage dieses besonderen Miteinanders. Vorträge sowie gesellige und öffentliche Veranstaltungen unter Einbeziehung von Angehörigen, Freunden und Gästen ergänzen und bereichern die Logenarbeit.

Ansicht des alten Logenhauses in der Hebelstraße 21, 1902, © Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 104.

Inhalte, Ziele und Aufgaben

Die Vermittlung, Bewahrung und zeitgemäße Weiterentwicklung nachhaltiger ethischer Werte bilden einen zentralen Bestandteil unserer freimaurerischen Tempelarbeiten und wöchentlichen Zusammenkünfte. Grundlage hierfür ist die Bereitschaft, sich eigenverantwortlich, undogmatisch und aktiv in die brüderliche Gemeinschaft einzubringen.

Die Auseinandersetzung mit alltagstauglichen Erkenntnissen setzt dabei ideelles Interesse, geistige Offenheit sowie eine angemessene zeitliche Präsenz voraus. In einer Zeit, die häufiger das Trennende betont als das Gemeinsame zu suchen, versteht sich gelebte Brüderlichkeit als eine verlässliche Quelle von Orientierung und Zusammenhalt.

Unsere Loge ist in diesem Sinne gut aufgestellt und erfährt wachsendes Interesse in einer zunehmend nach Orientierung suchenden Gesellschaft, insbesondere auch bei jüngeren Menschen. Die Tür unseres Logenhauses in der Bismarckstraße steht allen mündigen Menschen offen, die uns mit aufrichtigem Interesse begegnen möchten.

Der Besuch öffentlicher Termine der Loge Leopold zur Treue ist nach Vereinbarung möglich. Die momentan angekündigten Termine sind der Seite Aktuelles zu entnehmen. 

Neue masonische Heimat: Grundsteinlegung des Tempels in der Bismarckstrasse, 02.09.1954 © LzT e.V.