"Freimaurerei ist nichts willkürliches, nichts entbehrliches, sondern etwas notwendiges, das im Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft begründet ist."
Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781), Freimaurer
Eine kurze Geschichte der Freimaurerei
Die Gründung der ersten Großloge in London am 24. Juni 1717 gilt als definierter Beginn der modernen Freimauerei. Sie ist weltweit mit ca. 180 Großlogen vertreten. In Deutschland sind es zur Zeit rund 500 Freimaurerlogen mit ca. 15.000 Mitgliedern in fünf Großlogen. Deutsche Freimauerlogen sind im Dachverband “Vereinigte Großlogen von Deutschland” VGLvD zusammengeschlossen. Er vertritt die deutschen Großlogen in der offiziellen (“regulären”) Weltfreimaurerei.
Unsere Loge “Leopold zur Treue” gehört der größten deutschen Großloge “Alte Freie und Angenommene Maurer von Deutschland” AFuAMvD an. In Karlsruhe gibt es zwei weitere VGLvD-Logen: “Friede und Freiheit” und “Zur Pyramide”, Letztere arbeitet ebenfalls in unserem Logenhaus.
Inhalte der Freimaurerei
Zentrale Grundlage des besonderen Vertrauensverhältnisses innerhalb der Freimaurerei ist die Initiation zum Freimaurer. Das Aufnahmezeremoniell sowie die darauf aufbauenden Rituale bilden einen strukturierten Rahmen, der zur persönlichen Reflexion anregt und individuelle Erfahrungen ermöglicht. Diese Formen sind bewusst undogmatisch angelegt und zielen nicht auf die Vermittlung verbindlicher Lehrsätze, sondern auf selbstständiges Denken und persönliche Entwicklung.
In diesem Zusammenhang entsteht Raum für tragfähige, von gegenseitigem Respekt geprägte Beziehungen. Die Freimaurerei versteht dies als einen wesentlichen Teil ihres Selbstverständnisses. Sie schafft Voraussetzungen für die Auseinandersetzung mit dem klassischen Leitsatz „Erkenne dich selbst“, der als grundlegender Orientierungspunkt freimaurerischen Arbeitens gilt.
Darüber hinaus soll die freimaurerische Arbeit zur aktiven Mitwirkung an einer humaneren Gesellschaft motivieren. Dieser Anspruch richtet sich zunächst an das eigene Handeln, bezieht aber ebenso das soziale Umfeld und den weiteren Wirkungskreis mit ein. Die Gemeinschaft Gleichgesinnter bietet dabei Orientierung und Austausch, ohne individuelle Erkenntnisse vorwegzunehmen oder festzulegen.
Missverständnisse über die Freimaurerei sind historisch häufig aus Unkenntnis oder bewusster Verzerrung entstanden und haben zur Ausbildung von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen beigetragen. In einer offenen, demokratischen Gesellschaft begegnet die Freimaurerei diesen Entwicklungen zunehmend durch Transparenz und öffentliche Information.
Der Tradition der Aufklärung verpflichtet
Die Freimaurerei versteht sich als Teil der geistigen Tradition der Aufklärung. Diese Einordnung ergibt sich weniger aus einem einheitlichen Lehrsystem als aus einer gemeinsamen Haltung: der Orientierung an Vernunft, Erkenntnis und kritischem Denken. Dass Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Gotthold Ephraim Lessing, Wolfgang Amadeus Mozart oder Voltaire in freimaurerischen Zusammenhängen wirkten, wird häufig als Ausdruck dieser geistigen Nähe betrachtet.
Vernunft und wissenschaftliche Erkenntnis nehmen in der Freimaurerei einen hohen Stellenwert ein. Zugleich greift sie auf philosophische Überlieferungen zurück, die bis in die Antike reichen, etwa auf Gedanken von Platon, Pythagoras oder Sokrates. Aufklärung bedeutet in diesem Verständnis vor allem die Distanz zu Dogmen und zu einem unreflektierten Autoritätsglauben. Sie schließt jedoch weder Zweifel noch die Anerkennung von Grenzen des Wissens aus. Wissenschaft gilt als zentrales Mittel zur Erklärung der Welt, ohne den Anspruch zu erheben, alle Fragen abschließend beantworten zu können.
Ein weiteres zentrales Merkmal der Freimaurerei ist die Betonung der Individualität. Sie bietet einen Rahmen, der unterschiedlichen Zugängen Raum lässt: für Menschen, die darin eine dauerhafte ethische Orientierung finden, ebenso wie für jene, die den Austausch in einer strukturierten Gemeinschaft suchen. Rituale und festgelegte Formen dienen dabei nicht der Vereinheitlichung, sondern der Reflexion, der gemeinsamen Arbeit und der Förderung persönlicher Entwicklung. In diesem Spannungsfeld aus Regel und Freiheit entfaltet sich die freimaurerische Praxis.
Ignaz Unterberger (1742–1797)
Zum Hören
Heute lassen sich sachliche und verlässliche Informationen über eine Vielzahl seriöser Medienangebote beziehen. Hier einige Beispiele:
Deutschlandfunk: Einblicke in die Welt der Freimaurer
ZDFstudios – Die Erben der Templer
NDR Retro – Aus Politik und Gesellschaft: Das Geheimnis der Freimaurer
Link zur Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Freimaurerische Podcasts (Link zur Großloge AFuAMvD)
Freimaurer werden (Link zu den Vereinigten Großlogen VGLvD)
Was ist Freimaurerei? (Link zu den Vereinigten Großlogen VGLvD)